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ZÜRCHER OBERLÄNDER vom 20.11.04 Regula Berger-Hess
Boogie Woogie und Rock'n'Roll mit Chris & Mike im Qbus Uster
Mit Boogie Woogie, Blues und Rock'n'Roll hezte das Zürcher Oberländer Brüderpaar Chris & Mike am Donnerstag im Ustermer Qbus tüchtig ein. Das Publikum, mehrheitlich mittleren Alters, zeigte sich von der perfekt abgezogenen Schau begeistert. Vorausgeschickt sei, dass die Berichterstaterin, bei der Klassik zu Hause, im Qbus musikalisches Neuland betritt. Schrecksekunde deshalb, als ihr eine freundliche Dame vor Betreten der Lokalität Gehörpfropfen aushändigt und ihre banausenhafte Frage, ob es denn laut werde, mit einem lächelnden Ja beantwortet. Das elektronische Material auf und neben der Bühne ist denn auch beeindruckend. Chris & Mike wissen, geschult an Vorbildern aus dem Show-Business, alle verfügbaren technischen Mittel zu nutzen. Und sie und ihr Team tun dies optisch und aktustisch nach allen Regeln der Kunst. Allerdings geht angesichts des gigantischen Hightech-Aufgebotes fast vergessen, dass der Boogie Woogie seinen Ursprung in den verrauchten Kneipen der Schwarzen-Ghettos amerikanischer Grossstädte nahm.
Den Boogie Woogie mit der Muttermilch eingesogen Trotzdem bleibt die Musik die Hauptsache. Wenn sich Chris & Mike ins Zeug legen und ihre zwanzig Finger über die Tasten fegen, dann geht die Post ab, dann werden die besten Zeiten des Boogie Woogie und des Rock'n'Roll heraufbeschworen. So unterschiedlich die Brüder von ihrem Naturell her auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sie spielen beide ausgezeichn et Klavier und haben vermutlich die Liebe zum Boogie Woogie mit der Muttermilche eingesogen. Chris, der geborene Animator, packt das Publikum gleich zu Beginn des Abends mit ein paar lockeren Sprüchen ein. Die Art seines Entertainments ist sympathisch und strahlt typisch schweizerischen Charme aus. Überhaupt, Chris & Mike spielen, obwohl schon seit mehr als 13 Jahren erfolgreich im Geschäft, nicht mit Starallüren. Im Gegenteil, sie sind, und das weiss das Publikum zu schätzen, vollkommen natürlich und "normal" geblieben. Dass die Show durch ein Timing besticht, das der Präzision eines Schweizer Uhrwerks gleichkommt, dass jede Pointe sitzt, spricht für Qualität und Professionalität der beiden gewieften Musikunterhalter. Der Hinweis auf den Verkaufsstand mit diversen Fanartikeln, gekonnt vor der Pause platziert, zeugt überdies von der Geschäftstüchtigkeit des Brüderpaares.
Musikalisch und sportlich in Hochform Der Sound fährt ein. Der Bassist Thomas Custer und der Schlagzeuger Sandro Oberholzer, jeder auf seinem Posten eine Idealbesetzung, lassen es fetzen und geben den zu musikalischer und sportlicher Hochform auflaufenden Brüdern einen groovigen Background. Je später die Stunde, desto heisser und Schweiss treibender die Rhythmen. Ab und zu grift Mike, der als Elvis-Imitation mit riesiger Haartolle und weiss umrandeter Sonnenbrille einen Extralacher auf sein Konto buchen kann, zur Mundharmonika. Dnn rückt die Stimmung in den Sentimentalbereich und die Phonstärken sinken auf ein Mass, das feinen Ohren zuträglich ist. Auch einige der gesungenen Titel . Chris lässt übers Mikrofon eine angenehme Stimme hören - gehen ans Lebendige, wobei der Text auf weite Strecken unverständlich bleibt. "Muss das so sein?" fragt sich die Musikfachfrau, welche bei klassischen Liederabenden Wert darauf legt, jedes Wort zu verstehen. Dass Chris & Mike zum Finale hin alle Register ihres Könnens ziehen, um das Publikum stimmungsmässig auf den Siedepunkt zu bringen, überrascht eigentlich nicht. Aber die Art und Weise, wie sie sich begeistert und schonungslos ist Zeug werfen, das fordert, Zugaben eingerechnet, allen Respekt. Zum Glück hält die Bar im Qbus Kühlung bereit!
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